DAS SOLLTEST DU ÜBER SCHNEEGLÖCKCHEN WISSEN

Es ist mysteriös: Die schönsten Schneeglöckchen wachsen heute noch in nächster Nachbarschaft zu alten Klöstern – egal, ob sie noch belebt sind oder längst verlassen wurden. Kein Wunder, denn eine Legende erzählt, dass Gott, als er die Schöpfung vollendet hatte, zuletzt den Schnee schuf. Allerdings gab er ihm noch keine Farbe. So wanderte der Schnee von einer Blume zur anderen und bat jede, ihm doch etwas von ihrer Farbe abzugeben. Aber keine Blume erfüllte seinen Wunsch. Bis schließlich das Schneeglöckchen mitleidig sagte: „Wenn Dir mein Mäntelchen gefällt, kannst Du es gerne haben.“ Seitdem ist der Schnee weiß und das Schneeglöckchen die einzige Blume, die er in seiner Nähe duldet und der er nichts zuleide tut. Einer der schönsten Schneeglöckchenmärkte findet vielleicht auch deswegen heute noch in dem Kloster im ostfriesischen Ihlow statt. Eines steht unverrückbar fest: Schneeglöckchen gehören einfach in jeden Garten. Läuten sie doch zaghaft das Ende des Winters ein. Hier erfährst Du die 8 wichtigsten Dinge, die Du über die ersten Frühlingsboten wissen solltest.

 

Foto: safakcakir
Das Schneeglöckchen ist einer der ersten Frühblüher des Jahres. Für Bienen ist es unglaublich wichtig, denn das Schneeglöckchen ist für sie um diese Jahreszeit die erste und wertvollste Nahrungsquelle. Leider ist es für uns giftig. Foto: safakcakir

 

 

SCHNEEGLÖCKCHEN IST NICHT GLEICH SCHNEEGLÖCKCHEN

Man möchte es kaum glauben, aber es stimmt: Von den 18 Schneeglöckchen-Arten gibt es bis zu 500 verschiedene Sorten. Einige Gartenfreunde sprechen sogar von bis zu 1000 Sorten, das halte ich aber für übertrieben. Und dabei dachte man doch immer, Schneeglöckchen ist gleich Schneeglöckchen. Das Türkische Schneeglöckchen ist wohl die meist verbreitete Art. Du kannst es ganz leicht erkennen, denn es wächst höher als unsere heimischen Schneeglöckchen. Besonders begehrt sind die Schneeglöckchen mit gelber Zeichnung. Ihr rundliches Köpfchen über der Blüte zeigt sich in einem satten Gelb, genauso wie die Zeichnungen auf den Blütenblättern. Dann gibt es noch die Schneeglöckchen mit zwei Blüten an einem Stängel oder die mit besonders großen oder kleinen Blüten. Aber unseren Garten verschönern doch schon die Schneeglöckchen, die wir für 5 bis 20 Euro kaufen können oder vom Nachbarn geschenkt bekommen, oder?

 

 

 

WARUM SCHNEEGLÖCKCHEN-FANS KEINE BLUMENZWIEBELN KAUFEN

Echte Schneeglöckchen-Fans kaufen nicht die Katze im Sack. Immerhin sind sie auf der Suche nach dem perfekten Schneeglöckchen. Und das kannst Du nicht finden, wenn Du nur eine Hand voll Blumenzwiebeln im Garten-Center kaufst, schließlich lassen sich die Sorten nicht als ruhende Zwiebeln unterscheiden. Nein, willst Du sichergehen, dass Du das richtige Schneeglöckchen für Deinen Garten erstanden hast, musst Du es als grüne und blühende Pflanze aussuchen. Schneeglöckchen verkraften das. Sie lassen sich problemlos umpflanzen, solange ihre Wurzeln nicht beschädigt werden. Solltest Du aber keinen gesteigerten Wert auf die Sorte legen, kannst Du Deine Schneeglöckchen natürlich auch als Blumenzwiebel im Frühjahr oder Sommer setzen. Nur von den Zwiebeln, die im Spätherbst angeboten werden, solltest Du auf alle Fälle die Finger lassen. Sie sind oft bereits stark geschrumpft und wachsen nicht mehr richtig.

 

Foto: Olena Z.
Manches Schneeglöckchen blüht bis in den Mai und verschönt uns Ostern. Den Rest des Jahres möchte es allerdings seine Ruhe haben. Nichts stört das Schneeglöckchen mehr, als ständige Pflegemaßnahmen. Foto: Olena Z.

 

 

WO SICH DAS SCHNEEGLÖCKCHEN IM GARTEN WOHL FÜHLT UND ZU WEM ES AM BESTEN PASST

Schneeglöckchen bevorzugen einen lehmig-humosen Boden, der auch im Sommer schön feucht bleibt. Nur Staunässe mögen sie gar nicht. Kein Wunder, wer will denn auch schon nasse Füße bekommen? Am wohlsten fühlen sie sich unter Deiner Hecke, unter laubabwerfenden Bäumen oder zwischen Sträuchern. Die frühen Arten mögen die Sonne, die späteren lieben den Halbschatten. Richtig hübsch sehen Schneeglöckchen unter einem Haselnussstrauch aus oder in Nachbarschaft zur Zaubernuss. Du kannst sie aber auch wunderbar mit Krokussen, Blau- und Weißsternen oder Winterlingen kombinieren. Gemeinsam läuten diese Frühblüher dann den Frühling ein und wir bekommen bei ihrem Anblick sofort bessere Laune. Manche Schneeglöckchen blühen übrigens schon im Herbst, andere erst im späten Winter, dann aber bis Ende April oder Anfang Mai – wenn das Wetter mitspielt. Höhepunkt der Schneeglöckchenblüte ist übrigens im Februar.

 

 

 

SCHNEEGLÖCKCHEN AUSPFLANZEN, UMPFLANZEN UND VERMEHREN

Am schönsten sieht es aus, wenn Du sie in kleinen Gruppen pflanzt – diese Gruppen werden dann im Laufe der Zeit von selber größer und bilden Horste, die Du ganz einfach teilen kannst. Möchtest Du Deine Schneeglöckchen als Zwiebeln setzen, achte darauf, dass Du immer fünf oder sechs von ihnen beieinander pflanzt; alle Zwiebeln bitte etwa acht bis zehn Zentimeter tief mit der Spitze nach oben. Zwischen jeder Gruppe solltest Du mindestens 20 bis 30 Zentimeter Platz lassen. Schneeglöckchen säen sich zwar selber aus, aber natürlich kannst Du auch Hand anlegen, um sie zu vermehren. Die beste Zeit dafür ist während der Blüte. Du buddelst die Schneeglöckchen vorsichtig aus, begutachtest die Wurzeln auf Schäden und teilst sie dann. Deine Schneeglöckchen vertragen das wunderbar, Du darfst nur das ordentliche Angießen nicht vergessen. So sind sie übrigens auch zu mir in den Garten gekommen: Ich habe meine Schneeglöckchen vor einigen Jahren aus dem Garten meiner Mutter in Ostfriesland mit in die Nordheide genommen. Seitdem tummeln sie sich im lichten Schatten meiner Rotbuchenhecke und fühlen sich so richtig wohl hier.

 

Foto: mady70/shutterstock
In der Vase hält sich das Schneeglöckchen leider nicht lange, aber dafür duftet es herrlich. Für das Frühstück am Sonntag wäre es doch ein wunderbarer Tischschmuck, oder? Foto: mady70/shutterstock

 

 

WIE DU DEINE SCHNEEGLÖCKCHEN RICHTIG PFLEGST

Schneeglöckchen sind bescheidene, unaufdringliche Zeitgenossen. Sie brauchen nicht viel und was sie benötigen, holen sie sich zumeist selbst aus der Erde. Du musst sie nicht einmal düngen. Allerdings solltest im Sommer darauf achten, dass der Boden, in dem sie leben, nicht austrocknet. Also hin und wieder musst Du sie, gerade an den heißen Tagen, ordentlich gießen. Mehr nicht. Möchtest Du Deinen Schneeglöckchen dann doch etwas mehr Aufmerksamkeit schenken, könntest Du zum Beispiel die verwelkten Blüten zwischen März und April abschneiden, da sie ansonsten Samenkapseln bilden. Die Bildung dieser Samenkapseln schwächt die Pflanzen. Sollen sich Deine Schneeglöckchen über diese Samenkapseln selber aussäen reicht es, wenn Du in einem Horst zwei oder drei von ihnen stehen lässt. Den Rest würde ich entfernen. Vorsichtig musst Du allerdings bei den Blättern sein. Über sie ziehen die Schneeglöckchen ihre Kraft fürs nächste Jahr. Schneidest Du sie unüberlegt ab, kann das das Ende Deiner Schneeglöckchen bedeuten. Ich würde die Blätter an Deiner Stelle, wenn überhaupt, erst abschneiden, wenn sie gelb-bräunlich aussehen und trocken sind.

 

 

 

DAS SCHNEEGLÖCKCHEN IN DER BLUMENVASE

Schneeglöckchen eignen sich durchaus als Schnittblumen für die Vase, allerdings halten sie sich bei guter Pflege nur eine Woche – dafür duften sie aber himmlisch und schenken Deinem Zuhause einen Hauch von Frühling. Allerdings solltest Du auf alle Fälle nur die Schneeglöckchen aus Deinem Garten für die Vase schneiden und nicht die, die Du auf einer Waldlichtung findest, denn diese wilden Schneeglöckchen sind mittlerweile eine Seltenheit und stehen unter Naturschutz. Eine wunderbare Alternative zur Vase ist übrigens der Pflanztopf oder Balkonkasten. Dort halten sich Schneeglöckchen wesentlich länger…

 

Foto: Dora Zett
So können wir uns den Frühling ins Haus holen und bekommen fix gute Laune: Schneeglöckchen und Krokusse im bunten Holzkasten für die Fensterbank vertreiben den Winter-Blues. Foto: Dora Zeit.

 

 

FRÜHLING AUF DER FENSTERBANK – SCHNEEGLÖCKCHEN IM TOPF

Schneeglöckchen im Topf verzaubern mit ihren Blüten und dem lieblichen Duft Deine Fensterbank, das kann ich Dir garantieren. Aber auch auf dem Balkon oder im Hauseingang machen sie sich wunderbar. Allerdings musst Du  unbedingt darauf achten, dass sie im Halbschatten stehen. In der prallen Sonne würden sie ganz fix vertrocknen. Und: Du musst darauf achten, dass sich im Topf keine Staunässe bildet. Am einfachsten ist es, wenn Du zuerst für eine funktionierende Drainage aus einer Tonscherbe und einigen Kieselsteinen auf dem Topfboden sorgst, auf die dann die Blumenerde kommt, in die danach die Zwiebeln gesetzt werden. Der Topf für Deine Schneeglöckchen sollte übrigens mindestens vier mal so hoch wie die Zwiebeln sein. Wichtig: Die Zwiebeln müssen mit mindestens 5 Zentimeter Erde bedeckt sein. Ich würde nicht mehr als 6 von ihnen pro Pflanzloch setzen. Im Gegensatz zu ihren Geschwistern im Garten, freuen sich die Schneeglöckchen im Topf kurz nach der Blütezeit über einen kleinen Schuss Flüssigdünger. Kleiner Tipp: Am einfachsten ist es übrigens, wenn Du bereits vorgezogene Schneeglöckchen in die Töpfe setzt. Dann kannst Du Dich sofort über den Frühling auf der Fensterbank freuen. Die vorgezogenen Schneeglöckchen werden spätestens Ende Januar im Garten-Center angeboten.

 

 

 

ÜBER DIE HERKUNFT DEINER SCHNEEGLÖCKCHEN

Das Schneeglöckchen gehört zu den Amaryllisgewächsen und wurde als eine der ersten Frühlingsblumen aus seiner Heimat entführt und in nördlicheren Gegenden heimisch. Es schaffte es von Kleinasien über den Kaukasus bis in die Regionen am Kaspischen Meer und dann auch zu uns. Seit wann es bei uns heimisch ist, ist nicht mehr einwandfrei zu datieren – ist ja auch egal, Hauptsache sie verschönern heute unsere Gärten, oder? Nur eines weiß man heute noch: 1770 wurde das Schneeglöckchen in England zum ersten Mal außerhalb von Klostermauern nachgewiesen.  Geschichte hin oder her, Fakt ist: Aus einer 1 Zentimeter großen Zwiebel wächst jeweils ein Blütenstängel und drei grüne Blätter. Am Ende des Stängels sitzt dann die wunderbar duftende, weiße Blüte. Das Schneeglöckchen ragt übrigens nur 15 Zentimeter hoch und erfreut uns jedes Jahr aufs Neue.

 

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