SO WIRD DEIN GARTEN BIENENFREUNDLICH

Früher wussten wir: Wenn die Bienen fleißig durch den Garten summen und die Hummeln gemütlich von Blume zu Blume brummen, dann ist endlich Sommer. Hach, wie haben wir das genossen. Für uns war kaum vorstellbar, dass es einmal anders sein könnte. Aber mittlerweile sind in einzelnen Regionen ganze Bienenvölker in ihrem Bestand bedroht, sogar schon ausgestorben. Die Gründe dafür haben fast immer mit einschneidenden ökologischen Veränderungen zu tun. So werden die blütenreichen Vegetationen immer seltener, verschwinden die Nistplätze oder sterben die Bienenvölker an der Varroamilbe. Und das sollte uns zumindest nachdenklich stimmen, denn 75 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf Bienen als Bestäuber angewiesen. Und wie groß die Gefahr mittlerweile auch für uns ist, zeigt eine andere Zahl: Mindestens 30 Prozent der menschlichen Nahrung hängt von der Arbeit dieser wunderbaren Insekten ab. Das ist jeder dritte Bissen!

 

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Eine wilde Blumenwiese lockt Bienen und Hummeln an. Sie muss gar nicht groß sein. Ein oder zwei Quadratmeter reichen schon. Foto: courtyardpix/shutterstock

 

 

Allein in Bayern hatten bisher 520 Wildbienenarten ein Zuhause, 40 davon sind bereits verschwunden. Insgesamt stehen mittlerweile 64 Prozent der einheimischen Wildbienenarten auf der Roten Liste für gefährdete Tierarten. „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr“, sagte einmal Albert Einstein. So weit darf es nicht kommen. Darum müssen wir gemeinsam alles tun, damit die Bienen und Hummeln auch weiterhin in unseren Gärten ein Zuhause finden. Wie Du diesen wunderbaren Insekten helfen kannst, erfährst Du hier.

 

 

Eine wilde Blumenwiese statt kurz geschorener Rasen

Du musst nicht gleich Deinen ganzen Rasen für eine Wildwiese opfern. Es reichen schon ein oder zwei kleine Stellen, die Du beim Mähen aussparst. Eines ist sicher: Die Bienen werden sich schon über die Mini-Wiesen freuen – richtig aus dem Häuschen werden sie sein, wenn Du zusätzlich noch ein Wildblumenbeet anlegst. Die entsprechenden Samenmischungen bekommst Du mit Sicherheit in der Gärtnerei Deines Vertrauens. Wildblumen gedeihen übrigens am besten auf nährstoffarmen Böden. Dafür musst Du den Humusboden abtragen und die Erde mit Sand durchmischen. Das geht ganz fix. Je größer die Vielfalt der Blumen auf Deiner Wildwiese und im Beet ist, desto mehr Bienen und Hummeln werden angelockt. Du musst vor allem darauf achten, dass es sich um heimische Wildblumen handelt. Besonders viel Nektar liefern unter anderem Wiesensalbei, wilde Kornblumen, Bunte Kornwicke, Nachtviole, Hornklee, Lavendel, Blauer Ysop oder Gemeine Kratzdistel. Natürlich will auch Deine wilde Blumenwiesen gepflegt werden. Am besten lässt Du dafür aber den Rasenmäher im Geräteschuppen stehen und benutzt lieber die Sense.

 

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Bienen und Hummeln fliegen Blumen mit großen und offenen Blüten an. Bei ihnen kommen sie leichter und schneller an den Nektar und die Pollen. Foto: bmf-foto.de

 

 

Ein Zuhause im Gemüsebeet

Lass doch einfach Mal Deinen Lauch, den Rosenkohl und den Grünkohl stehen oder die Zwiebeln und Möhren ausblühen. Bienen und Hummeln lieben das Gemüse. Gerne fliegen sie auch Zucchini, Gurken und Kürbisse an. Auch Küchenkräuter wie Salbei, Zitronen-Thymian oder Bohnenkraut sind die reinsten Delikatessen für Bienen. Übrigens kann auch Dein Balkon zu einem echten Paradies für diese fabelhaften Insekten werden. Ideal wäre es, wenn Du Blaukissen, Ranken-Glockenblume, Kornblumen oder Salbei für sie pflanzt. Verzichten solltest Du dagegen auf Geranien mit gefüllten Blüten. Die sind zwar hübsch anzusehen, aber sie liefern keine Pollen, denn für die Optik wurde ihr Staubblatt in ein Blütenblatt umgezüchtet. Darum liefert es keinen Nektar mehr.

 

Irgendwo müssen sie doch nisten können

Es ist überraschend, wie leicht und schnell Du wichtige Nistplätze für Bienen und Hummeln in Deinem Garten einrichten kannst. Und sie sehen auch noch ziemlich stylisch aus. Wunderbar! Du kannst zum Beispiel aus hohlen Pflanzenstängeln (Bambus, Bärenklau, Schilf, Ampher, Knöterich usw.) ein Bündel bilden. Die einzelnen Stängel sollten einen Durchmesser von 2 bis 10 Millimeter und eine Länge von 8 bis 20 Zentimeter haben. Du musst allerdings darauf achten, dass dieses Bündel immer ein verschlossenes Ende hat und Du es waagrecht an einem windstillen und sonnigen Platz deponierst. Senkrecht dagegen könnte ein Bündel aus markhaltigen Stielen stehen. Holunder, Königskerze, Himbeere, Distel und Rose wären dafür bestens geeignet. So ein Bündel macht sich übrigens sehr  dekorativ im Staudenbeet. Im Herbst und im Winter wird das toll aussehen. Dicke Äste oder abgestorbene Baumteile eignen sich ebenfalls hervorragend als Nistplatz für Bienen und Hummeln. Wichtig ist, dass es sich dabei nur um Hartholz handelt. Ins Holz bohrst Du 5 bis 12 Zentimeter tiefe und 2 bis 10 Millimeter dicke Löcher und schaust, dass sie innen sauber sind und keine Holzfaser mehr hinein ragen. Auch sie müssen am Ende verschlossen sein. Schick sind auch alte Ziegelsteine aus gebranntem oder luftgetrocknetem Lehm. Sie sollten nach hinten geschlossene Löcher von 3 bis 9 Millimeter Durchmesser haben. Du siehst: So ein Nistplatz für Bienen und Hummeln ist wirklich ganz fix und einfach gebastelt.

Foto: Icrms
Nistplätze für Wildbienen sind schnell und leicht gebastelt. Einige Zweige und eine Blechbüchse reichen schon. Sieht toll aus und hilft ungemein. Foto: Icrms

 

 

Wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch

Auch wenn sie strahlend Gelb den Frühling in Deinem Garten einleuchtet – die aus Asien stammende Forsythie bietet Bienen und Hummeln kaum Nahrung. Sehr beliebt dagegen sind unsere heimischen Wildsträucher wie Hartriegel, Liguster, Schneeball, Schlehe oder Weißdorn. Sie liefern Pollen und Nektar in Hülle und Fülle. Aber auch Obstbäume wie Apfel, Birne, Kirsche oder Pflaume. Die heimische Kornelkirsche lockt mit neckarreichen und wunderschönen Blüten und ist zudem ein wahrer Gartenhöhepunkt. Je breiter die Blüten sind, desto leichter kommen Bienen und Hummeln mit ihrem Rüssel an den Nektar. Erinnere Dich: Ohne Bienen und Hummeln würden wir nicht einen einzigen Apfel ernten können, denn erst sie befruchten den Baum, indem sie die Pollen von Blüte zu Blüte tragen. Wichtig ist, dass Du in Deinem Garten auf Pestizide verzichtest. Sie töten Wildbienen und viele andere Insekten durch Schädigung ihres Immunsystems. Du kannst unseren Wildbienen übrigens auch durch Nichtstun helfen – verzichte im Herbst doch einfach mal auf den Rückschnitt deiner verblühten Stauden. Lass sie einfach stehen. Das sieht im Winter klasse aus und bietet den Wildbienen während der kalten Jahreszeit Unterschlupf.

 

 

Das schönste Blumen-Buffet

Im Sommer sind es vor allem Wild-Stauden, die die Bienen magisch anziehen. Leimkraut, Färbekamille, Waldgeist, Fingerhut und Ehrenpreis stehen ganz oben auf der Speisekarte. Eine Faustregel: Blüten mit breit geöffneter Form ziehen Bienen und Hummeln besonders an, denn dort kommen sie mit ihrem Rüssel schnell an den begehrten Nektar. Achte darauf, dass Du hauptsächlich Pflanzen mit ungefüllten Blüten in Deinen Garten setzt. Denn die gefüllten Blüten bieten oft keinen oder zu wenig Nektar.  Und vergiss nicht, dass Bienen und Hummeln auch im Herbst noch hungrig sind. Das könntest Du bestens in Deine Beetplanung einbeziehen. Pflanze einfach eine Mischung aus früh-, mittel- und spätblühenden Arten. Das gefällt nicht nur Dir, sondern auch den Bienen und Hummeln. Im Frühjahr könnten das doch Zwiebel-und Knollenpflanzen sein wie Wildtulpen, Krokusse oder Blausternchen. Und im Herbst verzaubern dann Phlox, Herbstanemonen, Fetthenne und Herbstastern Deinen Garten und den Speiseplan der Bienen und Hummeln Deiner Nachbarschaft.

 

 

 

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