REHE IM GARTEN – SO SCHÜTZT DU DEINE PFLANZEN

Wer in Waldes- oder Feldnähe wohnt, kennt das nur zu gut: Immer wieder staksen Rehe durch den Garten und futtern heimlich die schönsten Rosenknospen oder die zarten Triebe der jungen Obstbäume weg. Manchmal erwischst Du sie dabei, aber leider eben nur manchmal. Die ersten Jahre nach meinem Hausbau hat mich das richtig irre gemacht. Aber nicht nur mich, auch meine Nachbarn. Selbst wenn diese Tiere wirklich hübsch sind, so ist der Ärger doch groß. Das kennst Du bestimmt auch, oder? Einiges haben wir schon ausprobiert, um den Tieren einen Strich durch die Rechnung zu machen. Schließlich gibt es viele Hausmittel – aber welche helfen wirklich? Hier erfährst Du mehr.

 

Foto: Jari Hindstroem
Vor allem im Winter treibt der Hunger die Rehe oft in waldnahe Siedlungen. Sie vergessen dann nur zu leicht ihre natürlichen Ängste und knabbern sich durch Deinen Garten. Foto: Jari Hindstroem

 

 

WAS REHE ANRICHTEN KÖNNEN

Rehe sind Feinschmecker. Das weiß ich jetzt. Wer will denn auch schon ewig das olle Zeugs im Wald fressen, wenn es in den hübschen Gärten der Nachbarschaft viele Dinge gibt, die um so vieles leckerer sind? Ja, auch ein Reh bevorzugt eben einen abwechslungsreichen Speiseplan und ein Delikatessen-Buffet. Also müssen zarte Knospen, Baumrinde und Obstbaumtriebe dran glauben. Die werden einfach ruckizucki weggefuttert. Speziell in den Wintermonaten verirrt sich so ein Reh häufig in unsere Gärten. Gerne nachts oder in den frühen Morgenstunden. Nichts ist vor ihrem Heißhunger sicher – keine Stauden, Pflanzentriebe  oder Bäume. Letztere leiden insbesondere dann, wenn sich auch noch ein Rehbock zu Dir aufs Grundstück traut. Sie reiben gerne ihr Geweih an der Baumrinde, um überfälligen Bast loszuwerden. Dabei reißen sie vor allem an jungen Bäumen oft großflächig die Rinde auf. Das sogenannte „Fegen“ findet vor allem im Frühling statt, denn das neue Geweih ist bei älteren Böcken meist ab März ausgewachsen.

 

DIE BELIEBTESTEN HAUSMITTEL

Was haben wir nicht alles ausprobiert: in den Bäumen aufgehängte CDs und Petroleumlampen, flatterndes Absperrband, Leuchten und Radios mit Bewegungsmelder, Hundehaare in Säckchen oder unsere Haare einfach in die Rosen gehängt, versprühte Buttermilch, verstreute Hornspäne oder Vogelscheuchen. Ja, wir haben sogar die Kinder der Nachbarn in den Beeten Pipi machen lassen. Aber wie das eben bei solchen Hausmitteln ist – der eine schwört darauf, beim anderen wirkt es nicht. Das Problem ist, dass die Rehe sich einfach zu schnell an diese Störquellen gewöhnen. Zudem ist der Hunger gerade im Winter oft größer als die Angst. Obwohl ich ja eher den Verdacht habe, dass die Rehe längst gemerkt haben, dass wir ihnen nichts Böses wollen…

 

 

DAS ZAUBERZEUGS AUS DEM GARTEN-CENTER

Es gibt Gärtner, die verlassen sich beim Schutz ihrer Pflanzen auf Präparate, die reines Blutmehl enthalten. Es wird mit Wasser verdünnt und dann auf die Pflanzen gesprüht. Blutmehl kannst Du aber auch als Langzeitdünger im Beet einsetzen. Rehe sollen bei  Wahrnehmung des Geruchs sofort in Panik verfallen und fluchtartig Dein Grundstück verlassen. Angeblich hält diese Wirkung den ganzen Winter über an und im Sommer immerhin noch bis zu zwei Monaten. Ich habe mich gegen die Verwendung von Blutmehl bisher gesträubt: Schließlich wird Blutmehl aus Schlachtereiabfällen, überwiegend aber aus dem Blut von Hühnern hergestellt. Dafür wird das Blut aufgefangen, getrocknet und gemahlen. Ich weiß nicht, ob ich das unbedingt in meinen Beeten haben möchte. Wie siehst Du das?

 

DU KANNST DEN STAMM AUCH EINPACKEN

Die einfachste und sicherste Weise Deine jungen Bäume zu schützen, sind Kunststoffmanschetten aus dem Garten-Center. Mit ihnen kannst Du die Bäume langfristig vor Verbiss- und Fegeschäden bewahren. Du legst sie am besten gleich nach der Pflanzung um den jungen Stamm. Da sie auf einer Seite offen sind, passen sie sich dem Wachstum Deines  Baumes ohne Probleme an und schnüren ihn auch nicht ab. Hat der Baum dann mit den Jahren eine widerstandsfähige Borke entwickelt, kannst Du das Plastikding einfach abnehmen.

 

Foto: mountainpix
Rehe sind Feinschmecker: Junge Stauden, Rosenknospen oder Triebe an Obstbäumen gehören zu den Leckereien, die sie sich gerne mal neben der Eintönigen Nahrung im Wald gönnen. Foto: mountainpix

 

 

AM BESTEN PFLANZT DU EINE HECKE

Du kannst natürlich auch gerne einen Zaun um Dein Grundstück ziehen. Der müsste aber mindestens 1,80 Meter hoch sein. Mir war das zu teuer und ich finde das jetzt auch nicht unbedingt hübsch. Daher habe ich mich für eine Hecke entschieden und kurzer Hand Rotbuche gepflanzt.  Natürlich habe ich nicht gleich die großen Stämme gesetzt, sondern eher kleinere Pflänzchen. Aber nach vier Jahren hatten die dann eine ansehnliche Größe. Statt Rotbuche könntest Du aber auch eine dichte Dornenhecke pflanzen. Ganz besonders gut eignen sich robuste Büsche wie Weißdorn, Feuerdorn oder Berberitzen dafür. Grundsätzlich gilt, dass ein regelmäßiger Schnitt für eine gesunde Dichte sorgt, die die Wildtiere abhält. Wenn Du eine  gewisse Vorsicht walten lassen willst, könntest Du Deine Hecke die ersten Jahre noch mit einem Wildschutzzaun vor Schäden sichern. Ich habe darauf verzichtet und meine Hecke sieht heute trotzdem toll aus. Und: Sie hat ihre Wirkung nicht verfehlt – kein Reh gelangt mehr in den Garten und knabbert mir die Rosenknospen weg. Statt dessen tummeln sich reichlich Vögel in den Rotbuchen.

 

 

 

MEIN GOLDEN RETRIEVER BRUNO SCHRECKT SIE AB

Ich bin davon überzeugt, dass es nicht nur sein Bellen ist. Nein, bestimmt ist es auch sein Geruch. Immerhin hat Bruno in den letzten Monaten fleißig sein Revier abgesteckt. Das hält mit Sicherheit die Rehe ab. Aber sicherlich erschreckt sie auch sein Bellen. Meine Erfahrung: Hund und Hecke in Kombination sind der beste Schutz gegen Rehe im Garten. Trotzdem musste ich einen Zaun um mein Grundstück ziehen. Schließlich ist Bruno ein Golden Retriever und auch die haben einen ausgeprägten Jagdinstinkt. Und packt ihn erst einmal das Jagdfieber, könnte ich gar nicht so schnell gucken, wie er durch die Hecke verschwindet.

 

Foto: Celine Ortmann
Du kannst vieles Ausprobieren, um sie von Deinen Pflanzen fern zu halten. Das meiste funktioniert auch. Am sichersten sind aber ein hoher Zaun oder eine Hecke und ein Hund. Foto: Celine Ortmann

 

 

REHKITZ GEFUNDEN – WAS TUN?

Falls Du in Deinem Garten ein Rehkitz vorfindest, musst Du erst einmal vorsichtig sein. Zunächst solltest Du Dich vergewissern, wie es um das Kitz steht – wurde es von der Mutter verlassen oder ist sie noch in der Nähe. Also am besten abwarten und beobachten. Sollte das Kitz über Stunden vor sich hin fiepen, wurde es wahrscheinlich von seiner Mutter zurückgelassen. In dieser Situation solltest Du den nächsten Förster anrufen. Er übernimmt den Fall. Wichtig ist, dass Du bis dahin das Rehkitz weder beruhigt noch gestreichelt hast. Sonst würde ein menschlicher Geruch auf das Kitz übertragen, der dafür sorgt, dass die Mutter es auf gar keinen Fall mehr annimmt – selbst wenn sie nach Stunden zurückkehren sollte.

 

 

 

 

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