STAUDE DES JAHRES 2017: PFLEGELEICHTE BERGENIEN

Eines Tages überraschte mich meine Mutter mit einer Kiste voller Bergenien. Sie hatte sie in ihrem Garten in Ostfriesland ausgebuddelt und geteilt, sich dann kurzerhand ins Auto gesetzt und hat sie mir in die Nordheide gebracht. Kaum angekommen, wanderten die Bergenien auch schon in die Erde. Jetzt wachsen sie in fröhlicher Nachbarschaft zu meiner Rotbuchenhecke. Ich hätte ja nicht gedacht, dass gerade diese Staude so pflegeleicht ist und das Beste: Schnecken machen einen großen Bogen drum herum. Jetzt wurde die Bergenie zur Staude des Jahres 2017 gewählt – zu Recht, wie ich finde. Warum die Bergenie auch für Deinen Garten eine Bereicherung ist und wie Du sie pflegen solltest, erfährst Du hier.

 

Foto: Yury Tranig
Teilen und umpflanzen lassen sich zu groß gewordene Bergenien am besten im zeitigen Frühjahr. Die so verjüngten Pflanzen danken es Dir mit einem großzügigen Wachstum. Foto: Yury Taranig

 

 

HIER FÜHLT SICH DEINE BERGENIE AM WOHLSTEN

Wenn im Herbst der Nebel um die Häuser zieht, die Blätter fallen und die Tage so langsam kürzer werden, dann beginnt die Pflanzzeit für Bergenien. Damit sich die neue Staude ganz fix wohl fühlt an ihrem neuen Plätzchen und schnell wurzelt, solltest Du den Boden ein wenig vorbereiten. Nur so ist garantiert, dass sie dann auch im kommenden Frühjahr blüht. Egal, ob Du einen sonnigen, halbschattigen oder schattigen Standort für sie ausgewählt hast – den Boden solltest Du vor der Pflanzung feinkrümelig auflockern und mit etwas Kompost oder Hornspänen anreichern. Das Pflanzloch muss um das 1,5-fache größer sein, als der Wurzelballen. Nachdem die Bergenie im Wasser stand bis keine Luftblasen mehr aus dem Wurzelballen aufsteigen, kommt sie nun in die Erde. Zum Abschluss verteilst Du drum herum noch etwas Rindenmulch oder Laub. Das hält die Feuchtigkeit in der Erde. Dass Bergenien nur im Schatten wachsen und blühen ist übrigens ein Gerücht. Nur die pralle Sonne vertragen sie nicht, ansonsten verzaubern sie gerne jedes Plätzchen in Deinem Garten.

 

 

 

DU KANNST SIE RUHIG EIN WENIG VERWÖHNEN

Deine Bergenien sind bescheidene und genügsame Stauden. Sie benötigen nur wenig Aufmerksamkeit. Und obwohl Du nachlässig mit ihr umgehen kannst, ist sie eine Staude mit Erfolgsgarantie. Allerdings kannst Du sie ruhig hin und wieder ein wenig verwöhnen – wenn es Deine Zeit zulässt. Deine Bergenie wird es Dir mit dem schönsten Blütenschmuck danken. Im Sommer, wenn es nur selten regnet, solltest Du sie gießen. Einmal mit Wasser aus der Regentonne, das andere Mal mit Leitungswasser. Von März bis August könnte auch etwas Kompost nicht schaden. Solltest Du Deine Bergenien in einen Kübel gepflanzt haben, freuen sie sich alle zwei Wochen über eine Dünger-Gabe. Über die Saison müsstest Du immer wieder mal ausgeblühte Blütenstängel herausschneiden oder verwelkte Blätter abzupfen, ein bodennaher Rückschnitt ist dagegen erst im Spätwinter notwendig.

 

Foto: Jessie Eldora Robertson
Schnecken machen einen Bogen um Bergenien, aber nicht der Dickmaulrüssler. Du erkennst einen Befall an den angefressenen Blättern. Richtig gefährlich sind aber seine weißen Larven an den Wurzeln. Du kannst sie umweltfreundlich mit Nematoden bekämpfen. Foto: Jessie Eldora Robertson

 

 

DICHT AUF DICHT IST AUF DIE DAUER NICHTS FÜR DIE BERGENIE

Bergenien werden über die Jahre wirklich überraschend groß. Daran solltest Du denken, wenn Du sie pflanzt. Also lass am besten einen Abstand von 35 bis 45 cm. Möchtest Du Bergenien als Bodendecker einsetzen, reichen 6 bis 8 pro Quadratmeter – so lange Du nicht die Zwerg-Sorten ausgewählt hast. Die kannst Du ruhig etwas enger setzen. Ideal wäre ein nährstoffreicher, humoser Boden. Er kann auch ordentlich feucht sein. Nur die Extreme mögen die Bergenien nicht – weder Staunässe noch lang anhaltende Trockenheit.

 

 

 

DIE SCHÖNSTEN PARTNER FÜR DEINE BERGENIEN

Ganz besonders hübsch sehen weiße Tulpen in Kombination mit Bergenien aus, finde ich. Nicht nur die Optik passt, sondern auch die zeitliche Abfolge, denn die Tulpenblüten erscheinen zeitgleich mit den Trugdolden der Bergenien. Du kannst Deine Bepflanzung im Halbschatten auch mit Farn und Zierlauch ergänzen. Das sieht ebenfalls wunderbar aus. Vor allem Japangras macht sich ganz phantastisch im Zusammenspiel mit den Bergenien. Eine weitere schöne Möglichkeit sind die feenhaften Großen Sterndolden. Sie beginnen ihre Blühphase zeitgleich mit den Bergenien und in ähnlichen Farbnuancen. Zauberhaft: Ihre zarten Blütenköpfe an den bis zu 70 cm hohen Stängeln tanzen geradezu über Deinen Bergenien und das bis weit in den August. Herrlich!

 

Foto: Christian Musat
Bergenien sind sehr anpassungsfähig. Sie gewöhnen sich sowohl an ein schattiges, wie auch an ein sonniges Plätzchen. Sie wachsen bis zu 50 Zentimeter hoch. Foto: Christian Musat

 

 

AUS EINS MACH ZWEI ODER DREI…

Meine Mutter hat ihre zu großen Bergenien im zeitigen Frühjahr einfach geteilt. Was sie zu viel hatte, haben wir in meinen Garten gesetzt. Damals war ich noch skeptisch, heute freue ich mich um so mehr über dieses Geschenk und habe festgestellt, dass die Nachzucht ein Kinderspiel ist. Dafür musst Du einfach nur den Rhizomballen im Frühjahr oder Herbst mit einem scharfen Messer teilen – so hat es auch meine Mutter gemacht. Du kannst auch einfach die Ausläufer abtrennen und als 5 Zentimeter lange Wurzelschnittlinge im Topf bewurzeln lassen oder Du säst Deine Bergenien als Samen aus. Allerdings würde ich Dir von einer Direktaussaat ins Beet abraten. Das bereitet Dir nur Kopfweh, aber auf der Fensterbank und unter Glas kannst Du es ruhig ausprobieren. Ausgestreut auf Saaterde oder Torf-Sand, wachsen Bergenien bei 20-23 Grad Celsius und gleichmäßiger Feuchtigkeit ganz fix.

 

 

 

EIN KLEINER FROSTSCHUTZ SCHADET NICHT

Ausgewachsene Bergenien halten auch im Winter einiges aus. Selbst härtester Frost schadet ihnen nur, wenn über längere Zeit der Schnee ausbleibt. Jüngere Bergenien sind dagegen noch etwas empfindlich. Ihnen können vor allem Bodenfröste arg zu schaffen machen. Daher solltest Du im Pflanzjahr den Wurzelballen unbedingt mit Herbstlaub und Nadelreisig bedecken. Sollten zur   Blütezeit noch eisige Temperaturen drohen, schützt Du die Bergenien am besten mit einem Vlies. Solltest Du sie in Kübel gepflanzt haben, umwickelst Du das Pflanzgefäß vorsorglich mit Noppenfolie oder Vlies und ziehst einen schicken Jutesack darüber. Sofern der Kübel nicht ohnehin auf einem Pflanzenroller steht, schiebst Du einfach noch einen Holzblock unter.

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