BRUNOS GARTENGLÜCK – EIN HUND BUDDELT SICH DURCH DIE BEETE

Ein Garten ist für jeden Hund ein Segen. Aber ist der Hund auch ein Segen für den Garten? Diese Frage stelle ich mir immer öfter. Vor allem dann, wenn mein Golden Retriever Bruno mit dreckiger Schnauze und erdverschmierten Pfoten ins Haus kommt. Dann weiß ich: Monsieur hat wieder irgendwo gebuddelt. Hoffentlich wieder nur unter der Hecke. „Egal“, denke ich mir dann nach dem zweiten Seufzer, „ein Garten muss eben einiges aushalten können und der Gärtner auch.“

 

 

 

Eigentlich geht’s Bruno so richtig gut bei mir. Immerhin wird er nach Strich und Faden verwöhnt. Dennoch wird mein Lütter anscheinend ziemlich oft von Fluchtgedanken geplagt. Auch jetzt, in diesem Moment. Er buddelt nämlich schon wieder ein Loch unter der Buchenhecke. Alleine in diesem Winter ist es bereits sein fünftes. Mit einer heißen Tasse Ostfriesentee in der Hand beobachte ich das Treiben von der Terrasse aus. Und wieder ist mein Goldie mit großem Engagement dabei. Kaum etwas kann ihn aufhalten, niemand ablenken. Nicht einmal sein Herrchen. Unterdessen wird das Loch größer und größer. Der Erdhaufen daneben wuchtiger und wuchtiger. Die Erde spritzt geradezu durch die Luft. Ich könnte jetzt dazwischen gehen und ihn zurück pfeifen. Mache ich aber nicht. Soll er doch seinen Spaß haben. Schließlich ist mein Garten auch sein Revier.

NICHTS IST SPANNENDER, ALS DIE WELT HINTER DER HECKE

Wie gut, dass der Zaun hinter der Hecke 30 Zentimeter tief in die Erde reicht. So gibt’s für meine Fellnase wenigstens kein Entkommen. Mein kleiner Garten wird somit zum Alcatraz. Und dennoch: Bruno gibt nicht auf. Seit 5 Jahren nicht. Jeden Tag aufs Neue lockt die Welt hinterm Gartenzaun. Obwohl ich mittlerweile glaube, dass für ihn der Weg das Ziel ist. Eigentlich will er doch gar nicht weg. Nö, dafür fühlt er sich bei mir sauwohl. Wohl eher lockt ihn der Maulwurf oder der Duft der Feldmäuse. Bruno ist eben nicht nur Kuschelbär, sondern auch Jagdhund – wenigstens ein klitzekleines bisschen.

 

Wenn Herrchen im Gartenarbeiten ist der Hund immer dabei. Bruno ist mittlerweile der weltbeste Assistent – jedenfalls der beste, den ich kenne. Foto: frankskleinergarten.de

 

 

Gerade eingezogen, ging’s schon wieder ab durch die Hecke und rüber zum Nachbarn. Mein Bruno will als Welpe die Welt erkunden. Jeden Tag aufs Neue. Voller Neugierde. Wissbegierig. Immer mit dem Wissen, dass er wieder zurück kann – zu Herrchen, in seinen Garten, nach Hause. Warum auch nicht? Golden Retriever sind so. Meiner ist nicht anders. Also wird gebuddelt, geschnuppert und geknabbert – damals wie heute.

MEIN VIERBEINER WILL ALLES IMMER GANZ GENAU WISSEN

Egal, ob  Rasen, Rosen oder Rhododendren. Mein Vierbeiner will es immer ganz genau wissen. Wie selbstverständlich tappst er schon als Jungspund durch die Beete und erforscht sein Revier. Kritisch untersucht Bruno die Lupinen, zupft am Storchschnabel und döst im Lavendel. Und wenn er als Erwachsener nicht gerade unter der Buchenhecke buddelt, assistiert er mir bei der Gartenarbeit und pflügt schon mal ein Staudenbeet um, platziert im besten Fall seinen dicken Popo zwischen die Hortensien oder buddelt eben wieder ein schickes Loch unter der Hecke. Letztens hat’s sogar gepasst – da wanderte ein neuer Buchsbaum in eines von Brunos Löchern.

 

Bruno liebt frischen Hecken- oder Obstbaumschnitt. Damit kann er sich stundenlang beschäftigen.  Foto: frankskleinergarten.de

 

 

Nein, Bruno ist kein Rowdy. Der Garten ist ihm wichtig. Den liebt er. Er weiß sein Zuhause und sein kleines Revier schließlich zu schätzen und zu behüten. Er pieselt nicht auf den Rasen, seinen Haufen lässt er lieber im nahe gelegenen Wald zurück und sollte sich ein Hundebesuch einmal nicht entsprechend benehmen, macht mein Goldie fix von seinem Hausrecht Gebrauch. Dann erklärt fix die Regeln. Dann ist alles gut und jeder weiß sich zu benehmen.

MANCHE PFLANZE IST FÜR MEINEN HUND HOCHGIFTIG

Ich muss aber zugeben, dass mir Brunos Unbekümmertheit anfänglich Sorgen bereitet hat. Schließlich birgt ein Garten so manche Gefahr für einen kleinen Hund. Beispiel Fingerhut. So schön und beliebt Digitalis auch sein mag, dieses hübsche Gewächs ist hochgiftig. Tulpenzwiebeln, Eisenhut, Herbstzeitlose – alles viel zu gefährlich für meine lütte Fellnase.

 

Bruno liebt seinen kleinen Garten. Er ist lieber draußen als drinnen. Und wenn Herrchen mal wieder zu lange hinterm Schreibtisch sitzt, dann wird er fröhlich nach draußen gelockt. Foto: frankskleinergarten.de

 

 

„Willst Du Dich nicht unbedingt von den Pflanzen trennen, aber Deinen Hund schützen“, erklärte mir einmal TV-Liebling Veronica Ferres, „dann musst Du auf alle Fälle einen provisorischen Zaun aus Kaninchendraht um die Beete ziehen. Jedenfalls so lange Bruno noch ein Welpe ist. Als Erwachsener weiß er dann, dass er nix in den Beeten zu suchen hat. Hoffentlich.“ Natürlich nehme ich mir so einen Ratschlag sehr zu Herzen. Also ging’s fix ab in den Baumarkt. „Aber Du darfst Deinen Hund trotz Zaun nicht aus den Augen lassen, wenn er im Garten spielt. Es kann ja immer etwas passieren.“

BRUNOS ABENTEUERSPIELPLATZ BEKOMMT EINEN ZAUN

1,2,3 und zack – schon  stehen die vier Zäunchen. Bruno gefällt das natürlich überhaupt nicht. Wütend schmeißt er sich gegen den Kaninchendraht, versucht darüber zu steigen oder zumindest ein größeres Loch hinein zu knabbern. Bringt aber alles nix. Der Draht ist zu stabil, zu dick, zu hoch. Gut für meine Pflanzen, noch besser für meinen Welpen. Einzig die Buchenhecke ist in diesen Tagen noch frei zugänglich. Mein Garten ist schließlich noch im Werden. Das nutzt Bruno weidlich aus und hat somit einen neuen Abenteuerspielplatz für sich entdeckt. Es dauert aber nicht lange, dann ziehe ich auch hinter der Hecke ein Zaun hoch. Ich will schließlich nicht, dass die Neugierde meinem Hund zum Verhängnis wird.

 

Gewächshaus - Hoklartherm - Bruno - Fundamentrahmen - Franks kleiner Garten
Bruno hat mir beim Graben assistiert und genießt nun den wohlverdienten Feierabend im neuen Erdloch. Foto: frankskleinergarten.de

 

 

Trotz Zaun: Der Platz unter den Rotbuchen ist immer noch Brunos Lieblingsplatz im Garten – bis heute, fünf Jahre später. Hier kann er sich verstecken, forschen, abkühlen. An heißen Tagen findet er dort ein schattiges Plätzchen, wenn’s regnet halten die Blätter ihn trocken und ist die Hündin von nebenan mal wieder läufig, macht mein mittlerweile erwachsener Rüde ihr unter der Hecke seine Liebeserklärungen.

Es ist also kaum ein Wunder, dass mein Goldie so gerne unter der Hecke seine Fluchttunnel buddelt – Maulwurf hin, Wühlmäuse her. Ohnehin ist es besser, er macht es dort und nicht in meinen Beeten. Die Rotbuchen halten das stoisch aus. Meine Rosen reagieren sensibler. Und ich? Ich übe mich weiter in Gelassenheit und schütte Tunnel für Tunnel, Loch für Loch am Ende eines jeden Tages einfach wieder zu.  So endet fast jeder Tag mit einem reinigenden Ooooommmm. Bruno dankt es mir mit einem treuen Blick und einem zärtlichen Schleck über die Hand. Ein Garten muss eben tatsächlich einiges aushalten können – der dazugehörige Gärtner auch. Aber das machen wir doch gerne, oder?

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