APFELERNTE: 7 TIPPS ZUM ERNTEN UND LAGERN

Ach, was war das im Frühjahr für eine Blütenpracht! Meine Apfelbäume hatten sich mächtig ins Zeug gelegt. Und kaum waren die Blüten verschwunden, ging die Warterei auch schon los. Natürlich habe ich die kleinen Äpfel regelmäßig begutachtet. Wachsen sie auch ordentlich? Werden sie schön dick und rund? Und wehe, einer der besonders vielversprechenden Kandidaten lag plötzlich im Gras! Da hatte man ihn wochenlang liebevoll beobachtet, und dann verabschiedet sich das gute Stück einfach vorzeitig vom Baum. Eine Frechheit! Aber jetzt wird geerntet! Die ersten Äpfel sind längst verspeist, und auch die späten Sorten kommen endlich vom Baum. Doch wohin mit der ganzen Ernte? Und wie verhindert man, dass die schönen Äpfel schon nach wenigen Wochen verschrumpeln oder verfaulen? Ich habe sieben Tipps für Dich, damit Du möglichst lange etwas von Deiner Apfelernte hast. Schließlich wäre es doch schade, wenn die ganze Mühe am Ende nur für den Kompost gewesen wäre.

 

 

Meine Apfelbäume sind für alle Gartenbewohner da: Der Futterpavillon in einem meiner Apfelbäume wird von den Vögeln sehr gut angenommen. Foto: frankskleinergarten.de

 

1. Wann kann’s losgehen mit der Apfelernte?

Bei der Apfelernte kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. Wer zu früh pflückt, bekommt möglicherweise harte, wenig aromatische Früchte. Wer zu lange wartet, riskiert überreife Äpfel, die sich schlecht lagern lassen. Dabei gibt es keinen festen Erntetermin. Frühe Sorten wie der Klarapfel können bereits im Juli oder August reif sein. Andere, beispielsweise ‚Elstar‘, werden häufig im September geerntet. Späte Sorten wie ‚Boskoop‘ oder ‚Braeburn‘ benötigen deutlich länger. Je nach Witterung und Standort kann sich die Ernte bis in den Oktober oder sogar November ziehen. Und dann gibt es noch einen wichtigen Unterschied: Pflückreife und Genussreife sind nicht immer dasselbe. Manche Äpfel schmecken frisch vom Baum am besten. Andere entwickeln ihr volles Aroma erst nach einigen Wochen Lagerung. Gerade bei späten Lagersorten lohnt es sich deshalb, etwas Geduld zu haben.

2. Die Kipp-Probe: So erkennst Du einen reifen Apfel

Ob Deine Äpfel reif sind für die Apfelernte, kannst Du mit einem einfachen Trick herausfinden. Meine bevorzugte Methode ist die sogenannte Kipp-Probe. Nimm einen Apfel vorsichtig in die Hand und hebe ihn leicht nach oben. Bei vielen Sorten genügt eine sanfte Drehbewegung. Löst sich der Stiel ohne großen Widerstand mitsamt dem Apfel vom Zweig, ist das ein gutes Zeichen für die Pflückreife. Musst Du kräftig ziehen oder gar reißen, lässt Du ihn besser noch ein paar Tage hängen. Allerdings funktioniert diese Probe nicht bei jeder Sorte gleich zuverlässig. Deshalb solltest Du zusätzlich auf die sortentypische Färbung achten. Bei vielen Äpfeln verändert sich die Grundfarbe der Schale von Grün zu Gelbgrün oder Gelb. Auch braun werdende Kerne können ein Hinweis auf die Reife sein, sind allein aber kein sicherer Beweis. Und selbstverständlich darfst Du auch probieren. Schließlich wäre es doch ausgesprochen schade, einen ganzen Apfelbaum zu besitzen und ausgerechnet bei der Ernte auf eine kleine Kostprobe zu verzichten. Übrigens reifen die Früchte an einem Baum nicht alle gleichzeitig. Auf der sonnigen Seite und in den oberen Kronenbereichen sind sie häufig etwas früher so weit. Deshalb kann es sinnvoll sein, einen Apfelbaum in mehreren Durchgängen abzuernten.

 

 

Es ist jedes Jahr aufs Neue ein tolle Anblick, wenn meine Bäume wieder voller Äpfel hängen. Foto: frankskleinergarten.de/Frank Gerdes

 

 

3. Bei der Apfelernte ist Fingerspitzengefühl gefragt

„Jeden Apfel musst Du behandeln wie ein rohes Ei“, ermahnt mich meine Mutter bei der Ernte. Diesen Satz konnte ich nicht vergessen. Und natürlich hatte sie recht. Äpfel bekommen erstaunlich schnell Druckstellen. Manchmal genügt es schon, sie etwas unsanft in einen Eimer fallen zu lassen. Die beschädigten Stellen werden später braun, und die Früchte verderben schneller. Pflücke Deine Äpfel deshalb möglichst mit der ganzen Hand. Hebe sie behutsam an, sodass sich der Stiel vom Zweig löst. Er sollte möglichst am Apfel bleiben, denn Früchte ohne Stiel sind häufig anfälliger für Schäden und Fäulnis. Lege die Äpfel vorsichtig in einen gepolsterten Erntekorb oder eine flache Obstkiste. Für die Lagerung eignen sich besonders gut flache Holzkisten, in denen die Früchte nebeneinanderliegen und sich möglichst nicht berühren. Und bitte schüttle den Baum nicht, wenn Du Lageräpfel ernten möchtest. Was herunterfällt, bekommt leicht Druckstellen. Fallobst gehört deshalb nicht zu den Äpfeln, die Du monatelang aufbewahren willst. Noch ein Tipp: Ernte möglichst bei trockenem Wetter. Sind die Früchte vom Regen nass, lässt Du sie vor dem Einlagern zunächst abtrocknen.

4. Welche Äpfel dürfen ins Winterlager?

Jetzt kommt der Teil, bei dem sich ein bisschen Strenge auszahlt. Denn nicht jeder schöne Apfel eignet sich automatisch für die Lagerung. Kontrolliere Deine Ernte am besten schon beim Pflücken und anschließend noch einmal ganz in Ruhe. Früchte mit Druckstellen, Rissen, Faulstellen oder anderen Verletzungen solltest Du aussortieren. Solche Schäden bieten Pilzerregern eine gute Eintrittspforte. Und ein faulender Apfel kann seine Nachbarn gleich mit verderben. Das alte Sprichwort kommt schließlich nicht von ungefähr. Du musst beschädigte Äpfel aber keineswegs sofort wegwerfen. Kleine Druckstellen lassen sich großzügig herausschneiden, sofern der Apfel ansonsten einwandfrei ist. Aus solchen Früchten kannst Du wunderbar Apfelmus, Kompott oder einen Kuchen machen. Äpfel mit Schimmel oder Fäulnis gehören dagegen nicht mehr auf den Teller. Wichtig: Wasche Deine Lageräpfel nicht vor dem Einlagern. Die natürliche Wachsschicht auf der Schale hilft, sie vor dem Austrocknen zu schützen. Und auch wenn es noch so verlockend ist, poliere die Äpfel nicht auf Hochglanz. Sie sollen schließlich überwintern und keinen Schönheitswettbewerb gewinnen.

 

 

Nach der Apfelernte werden sie vorsichtig geputzt, eingelagert und verarbeitet. Das Beste im Gartenjahr? Der erste Kuchen mit den Äpfeln aus dem eigenen Garten. Foto: frankskleinergarten.de/Frank Gerdes

 

 

5. So bleiben Deine Äpfel möglichst lange frisch

Meine Mutter schwört auf einen kühlen, dunklen Lagerraum. Und damit liegt sie goldrichtig. Ideal sind für viele lagerfähige Apfelsorten Temperaturen von etwa 2 bis 5 Grad Celsius und eine hohe relative Luftfeuchtigkeit von ungefähr 85 bis 95 Prozent. So verlieren die Früchte weniger Wasser und bleiben länger knackig. Das klingt zunächst widersprüchlich, denn zu viel Feuchtigkeit kann Schimmel begünstigen. Entscheidend ist deshalb, dass der Lagerraum gut belüftet wird und sich möglichst kein Kondenswasser auf den Äpfeln bildet. Ein kühler, frostfreier Keller eignet sich häufig gut. Auch eine Garage oder ein geschützter Schuppen kommen infrage, sofern die Temperaturen dort nicht unter den Gefrierpunkt fallen und nicht stark schwanken. Lege Deine Äpfel möglichst einlagig in saubere Obstkisten und kontrolliere sie regelmäßig. Entdeckst Du eine faule Frucht, nimm sie sofort heraus.m Außerdem solltest Du Äpfel nicht direkt neben Kartoffeln oder anderem empfindlichen Lagergemüse aufbewahren. Sie geben das Reifegas Ethylen ab, das bei manchen Nachbarn die Alterung oder das Austreiben beschleunigen kann. Und noch etwas: Nicht jede Apfelsorte ist ein guter Lagerapfel. Frühe Sorten solltest Du möglichst bald essen oder verarbeiten. Späte Sorten wie ‚Boskoop‘ oder ‚Topaz‘ lassen sich unter geeigneten Bedingungen dagegen oft mehrere Monate aufbewahren.

6. Fallobst: Wenn der Apfel vom Stamm fällt

Dass Äpfel vom Baum fallen, kann durchaus Folgen haben. Mein Vater beispielsweise bekam während der Apfelernte einen auf den Kopf. Ausgerechnet in dem Moment, als er vor meiner Mutter kniete und ihr einen Heiratsantrag machen wollte. Seine sorgfältig vorbereitete Rede konnte er sich anschließend sparen. „Da konnte ich ihm einfach nichts mehr abschlagen“, erzählte meine Mutter später lachend. Nun hat natürlich nicht jeder heruntergefallene Apfel derart romantische Folgen. Meistens liegt er einfach im Gras. Und damit stellt sich die Frage: Was tun mit dem Fallobst? Frisch heruntergefallene Äpfel kannst Du durchaus noch verwerten, sofern sie keine Anzeichen von Fäulnis zeigen. Druckstellen solltest Du großzügig herausschneiden und die Früchte möglichst bald zu Apfelmus, Kompott oder Kuchen verarbeiten. Zum Einlagern eignen sie sich allerdings nicht. Faulige oder verschimmelte Äpfel gehören dagegen nicht mehr in die Küche. Manche Schimmelpilze können das gesundheitsschädliche Patulin bilden. Das lässt sich auch durch Kochen oder Backen nicht zuverlässig unschädlich machen. Ein paar gesunde Äpfel darfst Du ruhig für Amseln und andere Gartengäste liegen lassen. Größere Mengen Fallobst solltest Du regelmäßig aufsammeln. Was bereits fault, kann auf einen gut geführten Kompost oder, soweit örtlich erlaubt, in die Biotonne.

 

 

Das Rezept für den Apfelkuchen habe ich von meiner Mama geerbt. Es ist einfach und gelingt jedem – wird hier aber nicht verraten. Foto: frankskleinergarten.de/Frank Gerdes

 

 

7. Warum wartet mein Boskop nicht bis zur Apfelernte?

Mein Boskoop treibt mich jedes Jahr zur Verzweiflung! Erst hängt er voller prächtiger Äpfel, dann wirft der gute Kerl einen Großteil davon einfach ab. Lange vor der Ernte! An Wassermangel kann es zumindest dieses Jahr kaum gelegen haben. Geregnet hat es schließlich reichlich. Was also hat der Bursche? Vielleicht steckt der Apfelwickler dahinter. Seine Raupen fressen sich durch die Früchte und können sie vorzeitig zu Fall bringen. Kleine Bohrlöcher, braune Kotkrümel und Fraßgänge verraten den Übeltäter. Mit Pheromonfallen lässt sich der Falterflug kontrollieren. Zur Bekämpfung reichen sie allerdings nicht aus. Bei Befall können für den Hausgarten zugelassene Apfelwickler-Granulosevirus-Präparate helfen. Wichtig ist der richtige Zeitpunkt, wenn die jungen Raupen schlüpfen. Auch ein zu üppiger Fruchtbehang kann zum Abwurf führen. Deshalb solltest Du im Frühsommer ausdünnen und möglichst nur einen Apfel pro Fruchtbüschel stehen lassen. Trockenheit oder Staunässe kommen ebenfalls als Ursachen infrage. Ich werde meine heruntergefallenen Äpfel jedenfalls genauer untersuchen. Schließlich hätte ich meinen Boskoop lieber im Kuchen als auf dem Rasen!

Und welcher Apfel kommt nun in den Kuchen?

Ich gebe es zu: Sobald die Apfelernte vorrüber ist, wird gebacken. Natürlich kommt frischer Apfelkuchen auf den Tisch. Am liebsten noch warm und mit einem ordentlichen Klecks Schlagsahne. Da kann draußen ruhig das Laub durch den Garten wirbeln. Ich mache es mir lieber gemütlich! Aber Apfel ist nicht gleich Apfel. Der säuerliche Boskoop kann Dir roh schon mal sämtliche Gesichtszüge zusammenziehen. Im Kuchen oder als Bratapfel ist er dagegen eine Wucht! Der süß-säuerliche ‚Elstar‘ schmeckt frisch vom Baum und eignet sich ebenfalls zum Backen. Und der ‚Klarapfel‘? Der wird schnell mehlig und sollte deshalb möglichst bald vernascht oder verarbeitet werden. Hast Du verschiedene Sorten im Garten, beschrifte Deine Obstkisten. Sonst beginnt im Dezember das große Rätselraten. Und wenn erst der Kuchenduft durchs Haus zieht, stehen die freiwilligen Testesser ohnehin schon Schlange. Wehe, die Schlagsahne fehlt! Mein Praxistipp: Für meinen Apfelkuchen nehme ich am liebsten verschiedene Apfelsorten. Ein paar säuerliche Boskoop für den kräftigen Geschmack und dazu einige süßere Elstar. Die einen bleiben beim Backen schön in Form, die anderen werden herrlich weich. Und wenn ich von einer Sorte nicht mehr genug habe, wird eben munter gemischt. Hauptsache, der Kuchen schmeckt!

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