Ich kann mir meinen Garten ohne seine Bäume inzwischen kaum noch vorstellen. Die Obstbäume gehören genauso dazu wie die Kugelahorne – und über meine Rotbuchenhecke müssen wir erst gar nicht diskutieren. Die würde ich vermutlich verteidigen wie andere Leute ihr Tafelsilber. Und das nicht nur, weil sie schön aussieht. Vom Frühjahr bis weit in den Herbst ist darin und darunter mächtig Betrieb. Die Spatzen zanken sich lautstark um die besten Plätze, die Amseln liefern das Begleitprogramm und irgendwo darunter wuselt früher oder später auch ein Igel durchs Gebüsch. So weit, so idyllisch. Bis der Herbst kommt. Denn was im Sommer noch herrlich grün über meinem Kopf raschelt, liegt einige Wochen später auf dem Rasen, in den Beeten, auf den Wegen und bevorzugt dort, wo ich gerade eben erst gefegt habe. In meinen ersten Gartenjahren stand ich deshalb regelmäßig vor der Frage: Wohin mit dem ganzen Laub? Einfach in die Biotonne? Dafür ist es eigentlich viel zu schade. Denn Herbstlaub ist kein Abfall. Man muss nur wissen, wohin damit. Also: Hier kommen meine sechs Tipps fürs Herbstlaub.

1. AB MIT DEM LAUB AUF DEN KOMPOST
Ein Teil meines Laubs landet auf dem Kompost. Allerdings nicht einfach als kompakter Blätterberg. Laub enthält viel Kohlenstoff und vergleichsweise wenig Stickstoff. Feuchte Blätter kleben außerdem gern dicht aufeinander. Dann fehlt Sauerstoff und aus dem munteren Verrotten wird eine ziemlich zähe Angelegenheit. Deshalb mische ich das Laub mit gehäckselten Zweigen oder dünnem Heckenschnitt. Das hält den Haufen locker. Etwas Rasenschnitt darf ebenfalls dazu: Er liefert Stickstoff und unterstützt die Zersetzung. Nur bitte nicht die komplette Rasenmahd als nassen Klumpen dazwischenwerfen. Noch besser funktioniert es, wenn das Laub vorher zerkleinert wird. Bei größeren Mengen fahre ich einfach mit dem Rasenmäher darüber. Das spart Platz und die kleinen Blattstücke verrotten schneller. Mit etwas Geduld wird daraus wunderbarer Humus – und der landet am Ende wieder dort, wo die Blätter herkamen: im Garten.
2. EIN LAUBHAUFEN FÜR DIE UNTERMIETER
Nicht jedes Blatt muss verarbeitet, gehäckselt oder weggeräumt werden. Manches darf einfach liegen bleiben. Wer eine ruhige, windgeschützte Ecke im Garten hat, kann dort einen Laubhaufen aufschichten. Besonders schön muss der nicht sein – seine künftigen Bewohner legen erstaunlich wenig Wert auf Gartendesign. Igel können solche geschützten Haufen als Unterschlupf nutzen. Auch Insekten, Spinnen und andere kleine Gartenbewohner finden zwischen den Blättern Schutz. Bei mir darf deshalb an geeigneten Stellen ganz bewusst etwas liegen bleiben. Das ist wahrscheinlich die angenehmste Gartenarbeit überhaupt: nichts tun und trotzdem etwas Sinnvolles gemacht haben. Nur sollte der Haufen anschließend möglichst in Ruhe bleiben. Wer mitten im Winter darin herumwühlt, räumt womöglich gerade ein bezogenes Winterquartier um.

3. LAUBKUR FÜR GEMÜSEBEET UND GEWÄCHSHAUS
Auch auf meinen Gemüsebeeten bekommt Herbstlaub einen neuen Job. Nach der Saison verteile ich dort eine Schicht davon, anschließend kommt gut verrotteter Mist darüber. Der liefert Stickstoff und unterstützt die Zersetzung des Laubs. Gleichzeitig schützt die Abdeckung den Boden vor starkem Regen, Verschlämmung und großen Temperaturschwankungen. Früher hätte ich wahrscheinlich gesagt: Das ist Doping für einen müden Acker. Heute würde ich sagen: Der Boden bekommt über den Winter sein Abendessen serviert. Regenwürmer und andere Bodenorganismen übernehmen dann einen guten Teil der Arbeit. Bis zum Frühjahr ist vieles bereits zusammengesackt und angerottet. Was noch übrig ist, arbeite ich oberflächlich ein oder räume gröbere Reste beiseite. Tief umgraben muss man das Ganze nicht. Die fleißigen Bewohner unter der Erde haben schließlich schon genug gearbeitet – da muss Frank nicht noch mit dem Spaten hinterher.
4. EIN EIGENER LAUBKORB
Wenn der Kompost voll ist – was bei mir erstaunlicherweise immer genau dann passiert, wenn besonders viel anfällt –, bekommt das Laub eben seine eigene Unterkunft. Ein Laubkorb ist schnell gebaut. Dafür reicht stabiler Maschendraht, der zu einem großen Zylinder gebogen und an den Enden mit Draht verbunden wird. Handschuhe sind dabei dringend zu empfehlen. Maschendraht besitzt die unangenehme Eigenschaft, sich gegen seinen Verarbeiter zur Wehr zu setzen. Dann kommt das Laub hinein und der Korb an einen Platz, an dem er eine Weile nicht stört. Nach und nach entsteht darin Laubkompost. Der ist eher nährstoffarm, dafür humusreich und bestens geeignet, um die Bodenstruktur zu verbessern. Auch als Bestandteil selbst gemischter Pflanzerde lässt er sich später verwenden. Nur Geduld muss man mitbringen. Ein Laubkorb ist keine Mikrowelle.

5. UNTER HECKEN UND STRÄUCHERN DARF ES BLEIBEN
Der größte Teil meines Herbstlaubs macht keine besonders weite Reise. Er landet unter der Rotbuchenhecke und zwischen den Sträuchern. Dort ist er bestens aufgehoben. Eine lockere Laubschicht schützt den Boden, hält Feuchtigkeit und wird nach und nach von Regenwürmern und anderen Bodenorganismen zerlegt. Am Ende bleibt wertvoller Humus übrig. Genau das passiert schließlich auch im Wald – dort läuft nur niemand mit dem Laubsauger herum. Auch zwischen meinen Stauden darf deshalb einiges liegen bleiben. Der Storchschnabel zum Beispiel kommt damit wunderbar zurecht. Zwischen seinen Blättern verschwindet eine dünne Laubschicht meist schneller, als man denkt. Nur auf dem Rasen bin ich weniger großzügig. Dort wird zusammengerecht oder mit dem Rasenmäher eingesammelt. Anschließend wandert das Laub eben unter die Hecke, auf den Kompost oder in den Laubkorb.
6. MANCHES LAUB MUSS DANN DOCH WEG
So großzügig ich Herbstlaub inzwischen im Garten verteile – einen Freifahrtschein bekommt es nicht. Auf dem Rasen hat eine dicke Blätterschicht nichts verloren. Sie nimmt den Gräsern Licht und Luft. Also runter damit. Auch aus dem Gartenteich fische ich größere Mengen heraus. Sinkt das Laub auf den Grund und verrottet dort, gelangen viele Nährstoffe ins Wasser und es kann sich Faulschlamm bilden. Bei krankem Laub schaue ich ebenfalls genauer hin. Je nach Pflanzenkrankheit können Erreger auf den Blättern überwintern und im nächsten Jahr für eine unerwünschte Neuauflage sorgen. Im Zweifel kommt solches Laub bei mir deshalb aus dem Garten. Walnuss- und Eichenlaub dürfen dagegen auf den Kompost. Wegen ihrer Gerbstoffe verrotten sie nur langsamer. Am besten vorher zerkleinern und mit anderem Material mischen. Meine Regel lautet deshalb: Das Blatt darf bleiben – es sollte sich nur den richtigen Platz dafür aussuchen.








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