Kolumne - Bruno - Winter - Januar - Illustration

EIN GÄRTNER, EIN HUND UND DER ERSTE SCHNEE

Ich mache jetzt fix ein  Geständnis: Es ist durchaus möglich, dass meiner Garteneuphorie zum Ende der Saison ein wenig die Puste ausgeht – milde ausgedrückt: Sie pausiert gerade. Zum großen Herbstfinale passiert es gerne mal.Ich kümmere mich dann nicht mehr ganz so hingebungsvoll wie sonst um meine Rosen kümmere, schicke die Gartengeräte wider besseren Wissens ungeputzt in den Winterschlaf oder lasse unerwünschten Kräuter in den Terrassenfugen einfach so weiter wachsen. Ja, das kann durchaus passieren.

 

Winter - Schnee - Haus - Vorgarten - Januar - Franks kleiner Garten
Endlich! Der Winter ist jetzt auch in meinem kleinen Garten angekommen und hat Haus und Pflanzen mit einer dicken Schicht Schnee überzogen. Foto: frankskleinergarten.de

 

 

Das Wetter dient mir als Entschuldigung: Wer will denn auch schon bei Nieselregen und fiesem Ostwind draußen im Garten das Laub zusammenharken? Ich jedenfalls nicht! Schließlich droht Erkältungsgefahr. Nein, ich sitze an solchen Tagen lieber mit einer schönen Tasse Ostfriesentee vorm flackernden Kamin und lese ein gutes Buch oder schreibe meine Texte für frankskleinergarten.de. Das ist jetzt kein Beinbruch, schließlich wird’s früh dunkel und bis zum ersten Schnee ist es auch nicht mehr ganz so weit. Der Schnee wird meine Schludrigkeit zum Jahresende verdecken  – wenn er fällt.

 

Wenn der Winter Einzug hält, wird’s ganz still in meinem kleinen Garten

 

Ich bin Optimist und hoffe immer nur auf das Gute und weiß: Wenn es noch nicht gut ist, dann ist es eben noch nicht vorbei. Mittlerweile habe aber auch ich begriffen, daß der Winter sich gerne mal Zeit lässt, bevor er die Ergebnisse meiner Faulheit unterm Schnee verschwinden lässt. So muss ich mich in Geduld üben. In der Regel gleicht die kalte Jahreszeit in meiner Nachbarschaft nämlich eher einer Regenzeit, weniger einer Eiszeit. Die Regentonne läuft über, der Rasen droht zu ersaufen und einige Hortensien schenken mir dennoch weiter eine bunte Blütendolden nach der nächsten. So kann das gerne bis März gehen. Und Bruno? Der liegt bei diesem Schietwetter brav zu meinen Füßen und döst vor sich hin. Ansonsten ist mein Golden Retriever ja eigentlich alles andere als wasserscheu, aber wenn’s nieselt, verdrückt er sich lieber ins Trockene. Um so schöner ist es, wenn’s doch endlich schneit.

 

Hach, an diesem Wintertag war die Freude groß: Bruno genoss seinen ersten Schnee. Fast 5 Jahre ist das nun her. Foto: frankskleinergarten.de

 

 

Wenn der Winter erst einmal Einzug gehalten hat, tragen die Buchsbaumkugeln hübsche weiße Hauben, meine Korea-Tanne zieht sich ein weißes Kleid über und das Gewächshaus wird zum Iglu. Dann wird’s ganz still in meinem kleinen Garten. Und das nicht nur, weil die Piepmätze sich in die Hecke zurückgezogen haben oder der Igel sich noch tiefer in seinem Laubhaufen versteckt. Nein! Es ist so still, weil mittlerweile mein schlechtes Gewissen verstummt ist.

 

Schnee macht Spaß – auch meinem Golden Retriever Bruno

 

Nun sieht schließlich alles wieder total schick aus. Richtig edel und elegant. Schnee ist schon was Feines. Eine Beauty-Kur für meinen verlotterten Garten: Vernachlässigte Beete sehen plötzlich märchenhaft aus, nicht geharkte Gartenwege strahlen top gepflegt und in die Jahre gekommene Gartenhäuschen wirken gleich wie neu. Und die ansonsten so pingeligen Nachbarn grüßen  wieder freundlich. Schnee überschminkt eben wirklich jedes Manko. Herrlich. Und: Schnee macht Spaß – vor allem meinem Bruno.

 

 

 

Als mein Bruno das erste Mal morgens vom Schnee geweckt wird, ist er erst wenige Monate alt. Vorsichtig tappst er in den Garten, schnüffelt sachte durch die Flocken und schleckt schließlich an seiner ersten Schneekugel. Dann gibt’s kein Halten mehr: Er flitzt über den Rasen, von einer Seite zur anderen. Bruno schmeißt sich auf den Rücken, schubbelt durch die weiße Pracht, schlägt Purzelbäume und steckt seine Schnauze in den aufgetürmten Schnee. Hach, so könnte meine Fellnase den lieben langen Wintertag durch den Garten toben. So ein bisschen gefrorenes Wasser kann einen Golden Retriever offensichtlich ganz schön glücklich machen.

 

Frau Holle zeigt, was sie drauf hat

 

In Brunos erstem Winter dauert es nicht lange und auf den ersten Schneefall folgt fix ein zweiter. Noch heftiger. Dichter. Wilder. Der Schnee türmt sich im Garten, auf der Auffahrt, auf dem Fußgängerweg vor dem Haus. Die Rosen biegen sich unter der Last, die Obstbäume sind kaum noch wiederzuerkennen und die verblühten Stauden sind gänzlich vom Schnee eingepackt. Frau Holle zeigt, was sie drauf hat. Wunderbar. Bruno liebt seinen Schnee, die Piepmätze werden täglich gefüttert und der Igel pennt einfach weiter. Ich genieße den Anblick und schippe die Wege frei. Meinem kleinen Garten steht der Schnee äußerst gut zu Gesicht – finde ich. Er wirkt nun so märchenhaft, verzaubert, imposant. Meine Faulheit zum Ende der Gartensaison lässt sich so nicht einmal mehr erahnen. Alles verdeckt. Versteckt. Verschwunden. Grandios!

 

 

 

Natürlich macht meine fehlende Akkuratesse zum Ende der Gartensaison auch Sinn: Es ist doch schön, wenn Insekten sich in den verblühten Stauden vor Kälte und Feinden schützen können oder Vögel abseits der Futterstellen wertvolle Nahrung finden, gleiches gilt natürlich für Eichhörnchen, Igel und Co.. Also bleiben die Hagebutten an den Rosen, der abgestorbene Phlox im Beet stehen und das Laub unter Hecke liegen. So helfen wir unseren kleinen Freunden doch gerne durch die kalte Jahreszeit – oder? Wenn der Frühling an die Tür klopft, geht es schließlich weiter. Dann greifen wir wieder zur Gartenschere, trimmen die Immergrünen und kümmere mich uns wieder um die Hortensien.

Auch in diesem Januar freue ich mich auf den Schnee, der meinen kleinen Garten hoffentlich bald in ein „Winter Wunderland“ verzaubern wird. Die ersten Flocken fallen gerade zaghaft vom Himmel. Allerdings bleiben sie kaum liegen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wie ich schon sagte, ich bin schließlich Optimist und meinem Garten würde eine weiße Pracht gerade jetzt sehr gut zu Gesicht stehen.

 

 

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