IGEL IM GARTEN – MEINE 6 TIPPS

Manche Gartenbewohner machen ordentlich Krach. Die Spatzen beispielsweise, die sich in meiner Rotbuchenhecke regelmäßig aufführen, als ginge es um die letzte Liege am Hotelpool auf Malle. Andere sind eher zurückhaltend. Zu ihnen gehört der Igel. Den bekommt man tagsüber kaum zu Gesicht. Erst wenn es dämmert, geht der kleine Stachelritter auf Streifzug. Dabei ist er ein ausgesprochen nützlicher Gartenbewohner. Doch leider hat es der Igel inzwischen ziemlich schwer. Sein natürlicher Lebensraum schrumpft, Straßen zerschneiden seine Reviere und in vielen Gärten findet er kaum noch Nahrung oder geeignete Verstecke. In Deutschland steht der Braunbrustigel auf der Roten Liste und wird als „Vorwarnliste“ geführt. Das bedeutet, dass er noch nicht als gefährdet eingestuft ist, seine Bestände aber Anlass zur Sorge geben. International ist die Lage ernster: Seit 2024 gilt der westeuropäische Igel auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „potenziell gefährdet“. Umso wichtiger sind unsere Gärten als Rückzugsorte. Die gute Nachricht: Man muss seinen Garten keineswegs in eine Wildnis verwandeln, um Igeln ein Zuhause zu bieten. Ein paar kleine Veränderungen können schon viel bewirken. Hier kommen meine sechs Tipps, mit denen Du den Stachelrittern das Leben ein bisschen angenehmer machen kannst.

 

Damit sich ein Igel in Deinem Garten zuhause fühlst, solltest Du  möglichst keine Chemie und wenig Plastik bei der Gartenarbeit nutzen. Igel mögen es nämlich natürlich. Foto: shutterstock/Anne Coatesy

 

1. EIN IGEL BRAUCHT SEINE FREIHEIT

Ein Igel ist ein kleiner Herumtreiber. Nacht für Nacht legt er auf der Suche nach Nahrung und einer passenden Partnerin erstaunliche Strecken zurück. Mehrere Kilometer können dabei durchaus zusammenkommen. Da wäre es ausgesprochen ärgerlich, wenn er schon am Gartenzaun scheitert. Deshalb sollten Igel problemlos von einem Garten in den nächsten gelangen können. Besonders gut eignen sich dafür Hecken oder durchlässige Staketenzäune. Bei geschlossenen Zäunen hilft bereits eine etwa 13 mal 13 Zentimeter große Öffnung in Bodennähe. Vorsicht bei engmaschigen Drahtzäunen: Darin können die Tiere stecken bleiben und sich verletzen. Auch der Komposthaufen sollte möglichst zugänglich sein. Dort findet der Igel reichlich Kleingetier und gelegentlich einen geschützten Unterschlupf. Mein Tipp: Sprich doch einmal mit Deinen Nachbarn über einen kleinen Igeldurchgang. Schließlich hält sich der Stachelritter ohnehin nicht an Grundstücksgrenzen. Und eine Baugenehmigung braucht er für seine Wanderungen glücklicherweise auch nicht.

2. EIN BISSCHEN WILDNIS DARF SCHON SEIN

Ich mag einen gepflegten Garten. Aber deshalb muss noch lange nicht jeder Grashalm strammstehen. Schon gar nicht, wenn man etwas für die heimische Tierwelt tun möchte. Igel lieben abwechslungsreich bepflanzte Gärten mit Stauden, Sträuchern, Hecken und möglichst vielen heimischen Pflanzen. Die locken nämlich zahlreiche Insekten an, die wiederum auf dem Speiseplan unserer stacheligen Besucher stehen. Auch meine Rotbuchenhecke ist dafür wunderbar geeignet. Unter ihrem dichten Blätterdach finden kleine Tiere Schutz, und im Herbst sammelt sich dort reichlich Laub. Besonders wertvoll sind außerdem wilde Gartenecken, in denen Gräser und Kräuter wachsen dürfen. Dort tummelt sich oft mehr Leben als auf einem kurz geschorenen Rasen. Mein Tipp: Lass in einer ruhigen Ecke das Gras einfach etwas höher wachsen. Du musst deshalb nicht gleich Deinen gesamten Rasen zur Blumenwiese erklären. Ein kleines Stück genügt schon. Und ganz nebenbei hast Du weniger zu mähen. Auch nicht schlecht!

 

 

3. EIN SCHLAFPLATZ MIT LAUB UND REISIG

Während wir es uns im Winter vor dem Kamin gemütlich machen, zieht sich der Igel lieber unter einen Haufen Laub und Reisig zurück. Dort verschläft er, je nach Witterung, mehrere Monate. Meist beginnt sein Winterschlaf im Spätherbst und endet zwischen März und Mai. Dafür braucht er vor allem eines: Ruhe. Ein geschütztes Plätzchen unter einer Hecke, zwischen Sträuchern oder an einer windgeschützten Hauswand ist ideal. Dort dürfen Laub, Zweige und etwas Totholz ruhig liegen bleiben. Das sieht vielleicht nicht besonders aufgeräumt aus, ist für den Igel aber eine ausgesprochen komfortable Unterkunft. Solche Verstecke werden übrigens auch im Sommer gebraucht, wenn die Igelweibchen ihre Jungen aufziehen. Mein Tipp: Lass einen Laub- oder Reisighaufen möglichst ungestört liegen. Und bitte niemals einfach anzünden! Darin könnten längst Igel oder andere Tiere wohnen. Muss ein Haufen unbedingt entfernt werden, kontrolliere ihn vorsichtig. Ein bewohntes Winterquartier sollte man nicht versetzen.

4. EIN KLEINES FERTIGHAUS FÜR DEN STACHELRITTER

Nicht jeder hat Platz für größere Laub- und Reisighaufen. Zum Glück gibt es für Igel auch Fertighäuser. Die werden inzwischen in vielen Gartencentern angeboten und können durchaus sinnvoll sein. Wichtig ist, dass das Häuschen stabil, trocken und gut gegen Katzen und andere neugierige Besucher geschützt ist. Ein verwinkelter Eingang bietet zusätzlichen Schutz. Aufgestellt wird es an einem ruhigen, schattigen Platz, möglichst unter einer Hecke. Wer handwerklich geschickt ist, kann ein solches Quartier auch selbst bauen. Eine einfache umgedrehte Obstkiste ohne geschützten Eingang ist allerdings keine besonders sichere Lösung. Besser ist ein ordentlich konstruiertes Igelhaus mit wetterfestem Dach und trockenem Boden. Als Nistmaterial eignet sich trockenes Laub. Heu würde ich dagegen nicht verwenden, weil es Feuchtigkeit aufnehmen und schimmeln kann. Mein Tipp: Ist das Häuschen erst einmal bezogen, gilt absolutes Besuchsverbot. Auch wenn Du noch so neugierig bist! Gereinigt wird erst, wenn es nachweislich unbewohnt ist. Und bitte nicht einfach im April ausräumen. Mancher Igel schläft dann noch tief und fest

 

Du musst Igel nicht füttern. in der Regel bietet Dein Garten den Stachelrittern genügend Nahrung. Über täglich frisches Wasser würden sie sich aber sehr freuen. Foto: shutterstock/Anne Coatesy

 

 

5. VORSICHT, HIER LAUERN GEFÄHRLICHE FALLEN!

Igel sind erstaunlich geschickte Kletterer. Allerdings überschätzen sie gelegentlich ihre Fähigkeiten. Und so kann ein nächtlicher Spaziergang schon einmal in einem Kellerschacht oder Gartenteich enden. Deshalb solltest Du offene Schächte möglichst mit engmaschigen, stabilen Abdeckungen sichern. Bei Kellertreppen können zusätzliche Steine als Zwischenstufen oder eine raue Ausstiegshilfe nützlich sein. Auch Gartenteiche und Pools brauchen einen sicheren Ausstieg. Besonders gut eignen sich flache Uferzonen oder fest verankerte Rampen mit einer griffigen Oberfläche. Eine glatte Holzplanke hilft einem nassen Igel dagegen wenig. Besonders gefährlich sind Mähroboter, die in der Dämmerung oder nachts unterwegs sind. Igel flüchten bei Gefahr nämlich nicht, sondern rollen sich zusammen. Gegen scharfe Messer ist das leider kein besonders guter Schutz. Und dann wären da noch Laubsauger und Laubbläser. Gerade im Herbst, wenn sich unter Hecken und Sträuchern das Laub sammelt, können sie zur Gefahr für Igel und andere Kleintiere werden. Besonders Laubsauger mit Häckselfunktion haben es in sich. Ich greife deshalb lieber zum guten alten Laubrechen. Der macht zwar etwas mehr Arbeit, aber Bewegung an der frischen Luft soll ja bekanntlich gesund sein. Mein Tipp: Kontrolliere vor dem Mähen auch einmal die höheren Grasflächen. Und wenn Du abends den Geräteschuppen abschließt, wirf vorher einen Blick hinein. Vielleicht hat sich dort längst ein kleiner Untermieter eingerichtet.

6. WAS KOMMT BEIM IGEL AUF DEN TISCH?

Bei mir bekommen die Igel normalerweise kein zusätzliches Futter. In meinen Beeten finden sie hoffentlich genügend von dem, was ihnen schmeckt: Käfer, Larven, Regenwürmer und allerlei andere kleine Tiere. Das ist ohnehin die beste Lösung. Ein naturnaher Garten bietet dem Igel schließlich ein abwechslungsreicheres Nahrungsangebot als jeder Futternapf. Eine pauschale Zufütterung gesunder Igel ist nicht notwendig. Bei geschwächten oder offensichtlich unterernährten Tieren kann sie dagegen sinnvoll sein – am besten nach Rücksprache mit einer Igelstation. Geeignet ist beispielsweise fleischreiches Katzen-Nassfutter ohne Soße. Milch, Brot, Obst und gewürzte Speisereste gehören dagegen keinesfalls auf den Speiseplan. Worüber sich die Stachelritter aber immer freuen, ist eine flache Schale mit frischem Wasser. Gerade in trockenen Sommern kann sie eine große Hilfe sein. Wichtig ist nur, dass Du das Wasser täglich wechselst und die Schale sauber hältst. Mein Tipp: Stell die Wasserschale an einen geschützten, gut zugänglichen Platz. Auch Vögel und andere Gartenbewohner werden sich darüber freuen. Nur Bruno sollte sie nicht gleich für seine persönliche Trinkbar halten.

 

 

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