ROSEN – SO MACHST DU SIE WINTERFEST

Rosen sind ja durchaus robuste Geschöpfe. Trotzdem gibt es Wetterlagen, bei denen selbst die härteste Rose vermutlich lieber im Wohnzimmer sitzen würde: eisiger Ostwind, Kahlfrost und Wintersonne zum Beispiel. Vor allem die Veredelungsstelle sollte deshalb gut geschützt sein. Die Vorbereitungen dafür beginnen übrigens viel früher, als man denkt. Stickstoffbetonten Dünger bekommen meine Rosen spätestens ab Juli nicht mehr. Sonst treiben sie munter weiter, obwohl sie sich eigentlich langsam auf den Winter einstellen sollten. Die jungen Triebe können dann nicht mehr richtig ausreifen und sind entsprechend frostempfindlich. Im Herbst selbst hält sich die Arbeit zum Glück in Grenzen. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die ich bei meinen Rosen jedes Jahr erledige, bevor der erste richtige Frost kommt. Und manches, was ich früher ganz selbstverständlich gemacht habe, lasse ich inzwischen bleiben. Was jetzt noch sinnvoll ist und wovon Du besser die Finger lässt, zeige ich Dir hier.

Ich bin ein großer Fan von englischen Rosen. Sie wachsen bei mir in Beeten und Kübeln. Foto: frankskleinergarten.de/Frank Gerdes

 

 

DER 1. SCHRITT: BEI DER SCHERE KOMMT ES AUF DIE ROSE AN

Im Herbst kommt bei mir durchaus noch einmal die Rosenschere zum Einsatz. Allerdings längst nicht bei jeder Rose gleich. Meine einmal blühende Kletterrose schneide ich beispielsweise zurück, und auch die Rambler werden gekürzt, wenn sie sich über den Sommer allzu hemmungslos ausgebreitet haben. Das funktioniert bei mir seit Jahren wunderbar. Bei meinen übrigen Rosen bin ich zurückhaltender. Abgestorbene, kranke oder beschädigte Triebe kommen raus. Sehr lange Triebe, die bei Herbststürmen wild durch die Gegend schlagen, kürze ich ebenfalls ein. Den eigentlichen kräftigen Rückschnitt bekommen diese Rosen aber erst im Frühjahr, wenn die Forsythien blühen. Eine Regel für alle Rosen gibt es beim Herbstschnitt also nicht. Entscheidend ist, welche Rose vor Dir steht. Und ein bisschen auch, was sie den Sommer über veranstaltet hat. Gerade Rambler entwickeln schließlich gelegentlich einen gewissen Größenwahn.

DER 2. SCHRITT: JETZT GIBT’S WAS AUF DIE FÜSSE

Jetzt bekommen meine Rosen einen kleinen Erdhügel rund um ihre Basis. Unter Gärtnern nennt man das „Anhäufeln“. Dabei wird rund um die Rose so viel Erde aufgeschüttet, dass vor allem die empfindliche Veredelungsstelle gut geschützt ist. Ob das überhaupt nötig ist, darüber scheiden sich ein wenig die Gartengeister. Ist eine Rose richtig gepflanzt und liegt ihre Veredelungsstelle einige Zentimeter unter der Erde, ist sie eigentlich schon ziemlich gut geschützt. Trotzdem häufele ich meine Rosen weiterhin an. Warum? Weil sich die Erde in meinen Beeten im Laufe des Jahres gern etwas absenkt. Plötzlich liegt eine Veredelungsstelle frei, von der ich im Frühjahr noch felsenfest überzeugt war, sie ordentlich eingebuddelt zu haben. Der Garten hat eben gelegentlich seine eigenen Vorstellungen. Also bekommt jede Rose im Spätherbst einen kleinen Hügel aus Erde oder gut verrottetem Kompost. Etwa 10 bis 15 Zentimeter reichen. Dabei nehme ich möglichst Erde aus einem anderen Beet oder frische Pflanzerde. Ich möchte schließlich nicht erst die Wurzeln meiner Rose freilegen, um anschließend genau diese Rose vor Frost zu schützen. Das wäre gärtnerisch etwas widersinnig. Darüber kommt bei mir Tannen- oder Fichtenreisig. Das bremst kalten Wind und schützt die Triebe vor starken Temperaturwechseln durch die Wintersonne. Ganz nebenbei sieht das Beet damit wesentlich hübscher aus. Wochenlang auf kleine Erdhaufen zu schauen, hebt schließlich auch nicht unbedingt die Stimmung.

 

 

Vor dem Haus blühen noch einzelne Rosen. Foto: frankskleinergarten.de/Frank Gerdes

 

 

DER 3. SCHRITT: JETZT WIRD EINGEPACKT

Bei Beetrosen, Strauchrosen oder Kletterrosen sitzt die empfindliche Veredelungsstelle unten an der Pflanze und ist durch unseren kleinen Erdhügel schon gut geschützt. Hochstammrosen machen es uns leider nicht ganz so einfach. Bei ihnen sitzt die Veredelungsstelle oben, direkt unterhalb der Krone. Dort ist sie Wind und Wetter ziemlich schutzlos ausgeliefert. Deshalb packe ich die Krone locker mit Reisig ein und schütze sie anschließend mit Jute oder einem atmungsaktiven Wintervlies. Besonders sorgfältig bin ich rund um die Veredelungsstelle. Wichtig ist, dass noch genügend Luft an die Rose kommt. Wir wollen sie schließlich vor dem Winter schützen und nicht ersticken. Plastiktüten oder Folie haben deshalb an meinen Rosen nichts verloren. Darunter sammelt sich zudem Feuchtigkeit, an sonnigen Wintertagen kann es erstaunlich warm werden und nachts friert alles wieder durch. Wellness sieht anders aus. Bei jungen, noch biegsamen Hochstämmchen gibt es noch eine andere Möglichkeit. Du kannst den Stamm vorsichtig zum Boden biegen und dort befestigen. Anschließend wird die Krone mit Erde bedeckt und zusätzlich mit Reisig geschützt. Das funktioniert allerdings wirklich nur bei jungen Stämmchen, die sich ohne großen Widerstand biegen lassen. Sobald die Rose sich wehrt, würde ich aufhören. Einen Stamm abzubrechen, um ihn vor dem Winter zu retten, wäre dann doch etwas kontraproduktiv.

UND DANN NOCH DAS: GESUNDE ROSEN KOMMEN BESSER DURCH DEN WINTER

Wie gut eine Rose den Winter übersteht, entscheidet sich nicht erst im November. Eine Pflanze, die den ganzen Sommer mit Sternrußtau, Rosenrost oder anderen Krankheiten gekämpft und dabei früh einen großen Teil ihres Laubs verloren hat, startet geschwächt in die kalte Jahreszeit. Du musst allerdings nicht gleich nervös werden, nur weil eine Rose im Spätherbst ihre Blätter abwirft. Das gehört bei vielen Sorten schlicht zum Jahreslauf. Verdächtig wird es eher, wenn sie schon mitten im Sommer weitgehend kahl dasteht. Darum achte ich beim Rosenkauf inzwischen sehr auf robuste und blattgesunde Sorten. Eine gute Orientierung bietet dabei das ADR-Prädikat. ADR-Rosen müssen sich mehrere Jahre unter unterschiedlichen Bedingungen bewähren und werden unter anderem auf Gesundheit, Widerstandsfähigkeit und Gartenwert geprüft. Das erspart zwar nicht jede Blattlaus und garantiert auch keinen unverwüstlichen Rosenstrauch. Aber eine gesunde, kräftige Rose geht mit deutlich besseren Voraussetzungen in den Winter als eine, die schon im August aus dem letzten Loch pfeift.

 

 

Nahrung für die Piepmätze: Die Hagebutten zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Foto: frankskleinergarten.de/Frank Gerdes

 

 

ZULETZT NOCH WAS FÜR DIE VÖGEL

Ich gebe zu: Wenn ich mit der Gartenschere unterwegs bin, neige ich zu einer gewissen Gründlichkeit. Verblühtes hier, ein trockener Trieb dort, und ehe man sich versieht, sieht alles wieder hübsch ordentlich aus. Bei meinen Rosen bremse ich mich inzwischen allerdings ganz bewusst. Denn viele von ihnen bilden nach der Blüte wunderschöne Hagebutten. Früher habe ich die beim Aufräumen gern gleich mit erwischt. Heute lasse ich zumindest einen guten Teil davon stehen. Im Winter sehen die roten und orangefarbenen Früchte herrlich aus, besonders mit Raureif oder einer kleinen Schneemütze. Noch wichtiger: Hagebutten sind für verschiedene Vögel wertvolles Winterfutter. Gerade wenn das Nahrungsangebot im Garten knapper wird, finden sich an den roten Früchten immer wieder gefiederte Gäste ein. Also darf es im Rosenbeet ruhig ein bisschen unaufgeräumter aussehen. Die Vögel werden sich kaum beschweren. Und ganz nebenbei erspare ich mir Arbeit. Einen Beitrag für einen lebendigeren Garten leisten, indem ich etwas nicht abschneide? Solche Gartenarbeit liegt mir ausgesprochen gut.

 

 

2 Kommentare

  • Alexandra
    19. Dezember 2016 17:34

    Ach, was für ein schöner Artikel. Ich liebe Rosen ja total und habe schon länger darüber nachgedacht, mir welche in den Garten zu pflanzen. Allerdings hat mir die Überwinterungsfrage dieser empfindlichen Blumen immer wieder Gedanken gemacht. Kann man Rosen eigentlich auch im Topf auf dem Balkon pflanzen und dann im Winter reinholen ? Gerade in Großstädten haben ja viele Leute leider nur einen Balkon und träumen vom eigenen Garten. Aber viele deiner Tipps sind auch für Balkonpflanzen super 🙂
    Alles Gute für deinen wunderschönen Garten und dich im neuen Jahr.
    Deine Alexandra

    • admin
      20. Dezember 2016 12:36

      Liebe Alexandra,
      aber natürlich gibt es wunderschöne Rosen, die für den Topf auf dem Balkon geeignet sind. Mir persönlich gefällt die Zwergrose „Pepita“ von Kordes am besten oder das Rosenstämmchen „Charmant“. Im Winter solltest Du die Pflanzen mindestens mollig warm einpacken, eventuell sogar herein holen. Und bitte niemals das Gießen vergessen 🙂
      Liebe Grüße,
      Frank

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